Wie viele Länder gibt es weltweit? 

 

Die Krimkrise, der drohende Zerfall Syriens, der Machtkampf im Irak – sie alle zeigen, wie schnell sich politische Landkarten verändern können. Aber wie viele Länder gibt es eigentlich im Moment?

 
 

Eine BILD-Auswahl der Streitigkeiten und Unklarheiten.

Eigentlich ist die Frage simpel. Die Antwort lautet: „Kommt drauf an.“ Darauf, wie man zählt. Ein Weltatlas hilft da nur bedingt weiter. Gestrichelt eingezeichnete Grenzen und sehr klein geschriebene Anmerkungen weisen in manchen Regionen auf ungeklärte Fragen hin.

Wie viele Mitglieder hat zum Beispiel die Organisation der Vereinten Nationen (UNO)? 193. Aber auch hier Probleme: Der Vatikan nämlich ist kein UNO-Mitglied, er genießt nur Beobachterstatus. Ähnlich verhält es sich mit den palästinensischen Autonomiegebieten, die sich als Staat Palästina verstehen und ebenfalls Beobachterstatus haben. Sind es also 195 Staaten?

 

Inselwelten – nicht Fisch, nicht Fleisch, kein Streit

 

Im Pazifik gibt es unzählige Inseln. Manche gehören zu Festland-Staaten, manche bilden eigene Staatsverbände. Und bei einigen ist die Situation gänzlich unklar: Die Cookinseln und Niue werden „in freier Assoziation“ mit Neuseeland durch die UNO gebilligt und werden von einigen Staaten als souverän anerkannt. Die UNO überwacht diesen Status. Macht also 197 Länder?

 

 

 

Auch innerhalb der UNO gibt es Streit

 

Unter den vollwertigen Mitgliedern der UNO finden sich weitere Streitfälle: Pakistan erkennt Armenien nicht an und Israel wird von 34 Staaten, vorwiegend arabischen Ländern, nicht anerkannt.

Die Republik Zypern wird nicht von der Türkei anerkannt. Nordzypern wird im Gegenzug ausschließlich von der Türkei anerkannt. Und natürlich erkennt Nordkorea den Süden nicht an und muss umgekehrt damit leben, von Südkorea und Japan nicht anerkannt zu werden.

 

Streitfall China – Wer vertritt die Chinesen?

 

Der absurdeste Streit um ein UNO-Mitglied betrifft eines der größten und bevölkerungsreichsten Länder der Erde, das zudem Atommacht ist und einen Sitz im Sicherheitsrat hat: China. Nach der Machtübernahme der Kommunisten 1949 erkannten die damals noch junge UNO und die meisten Staaten die Volksrepublik nicht an. Stattdessen wurde Taiwan als „Republik China“ die Rolle zugestanden, ganz China zu vertreten, denn hier war die Revolution gescheitert und die alte Regierung noch am Ruder. Bis 1971 blieb das so. Dann ging der Vertretungsanspruch mit der Resolution 2758 an die Volksrepublik über und Taiwan war nicht länger Mitglied der UNO.

Bis heute streiten sich China und Taiwan um diesen Vertretungsanspruch. China unterhält diplomatische Beziehungen zu 161 Staaten, Taiwan zu 22 (hauptsächlich Entwicklungsländer). China wirft Taiwan vor, sich diese Unterstützung mit Entwicklungshilfe erkauft zu haben.

 

 

 

Streit vom Balkan bis zum Kaukasus

 

Unübersichtlich wird es, wenn man den Blick auf jene Staaten richtet, die nicht Mitglied der UNO sind und von ihr auch nicht gebilligt werden oder Beobachterstatus haben, wie Nordzypern und Taiwan.

Auch in Europa befindet sich ein solcher Streitfall – das Kosovo. Nach Krieg und Verwüstung erklärte es sich per Parlamentsbeschluss 2008 für unabhängig. Heute erkennen 107 von 193 UNO-Mitgliedern das Kosovo als unabhängig an, darunter Deutschland.

In Georgien bemühen sich zwei Gebiete um Anerkennung: Abchasien und Südossetien. Nur wenige Staaten, darunter aber der Riese Russland, erkennen die beiden Länder an, zum Leidwesen von Georgien, das seine Integrität verletzt sieht.

Der Kaukasus beherbergt eine weitere ungelöste Staatsfrage: Bergkarabach in Aserbaidschan. Das Land hat ohnehin eine eigenartige Form, denn die Region Nachitschewan hat keine Verbindung zum größeren Landesteil. Diese Provinz ist aber nicht das Problem. Bergkarabach hat sich unabhängig erklärt, besitzt eigene Truppen und erhält Unterstützung von der armenischen Armee. Von 1992 bis 1994 tobte in der Region ein Krieg zwischen armenischen und aserbeidschanischen Soldaten. Damals wurden mehr als eine Million Menschen vertrieben. Der Konflikt ist ungelöst.

Nordwestlich des Schwarzen Meeres gibt es ein weiteres Land, das auf Souveränität pocht: Transnistrien, das sich selbst Pridnestrowien nennt. Anfang der 90er-Jahre erklärte sich dieser Teil der Republik Moldau östlich des Flusses Dnister für unabhängig und hat sogar einen Antrag auf Beitritt zur russischen Föderation gestellt. Transnistrische Kosaken und russische Truppen bilden einen Teil der Drohkulisse gegen die Ukraine im aktuellen Konflikt.

Die Krim hatte sich übrigens ebenfalls unabhängig erklärt, aber nur für wenige Tage: Am 11. März 2014 verabschiedete das Parlament eine Unabhängigkeitserklärung. Dies wurde jedoch schon am 17. März von dem umstrittenen Beschluss überholt, sich Russland anzuschließen.

 

 

 

Afrikanische Streitigkeiten

 

Ein weiter Konflikt betrifft ein Land, das viele als Urlaubsziel schätzen: Marokko.Marokkanische Soldaten marschierten 1976 in Westsahara ein, das erst ein Jahr zuvor von Spanien in die Unabhängigkeit entlassen worden war. Daraufhin erklärte sich der östliche Teil Westsaharas für unabhängig, als „Demokratische Arabische Republik Sahara“ (DARS). Die UNO fordert ein Referendum über den Status des Landes. Die Beteiligten, insbesondere DARS und Marokko, können sich jedoch nicht einigen. Übrigens wird DARS von der Afrikanischen Union anerkannt. Darum ist Marokko als einziger afrikanischer Staat nicht Mitglied.

Im Osten Afrikas findet sich ein zerrütteter Staat, der die Frage nach der Anzahl der Länder auf der Welt zusätzlich verkompliziert: Somalia. Nach dem Bürgerkrieg brach der Staat zusammen und das Land zerfiel. Es ist schwierig zu sagen, wie viele Regionen und lokale Machthaber um Anerkennung ihrer Souveränität ringen. Es könnten bis zu 13 sein.

 

 

 

Der Streit im Nahen Osten

 

Vom Zerfall bedroht sind auch kriegsgebeutelte Länder wie Syrien und der Irak. Die syrische Terrororganisation ISIS will ein Kalifat, das sich über große Teile Syriens und des Irak sowie auf andere Landesteile der Region erstreckt. Angenommen, sie würde sich durchsetzen, würde der kurdische Teil des Irak möglicherweise ebenfalls zu einem Staat werden.

 

 

Wie viele Länder gibt es denn nun? Haben Sie mitgezählt? Man könnte auf eine Zahl zwischen weniger als 190 und mehr als 210 kommen. Dabei haben wir nur Konflikte erwähnt, durch welche sich die Anzahl der Länder verändern könnte. Umstrittene Grenzen und ungeklärte Gebietsansprüche gibt es noch viel mehr.

 

Viel Raum für Streit: Länder, Staaten, Definitionen

 

Länder oder Staaten? So gefragt wird es noch komplizierter. Die FIFA zum Beispiel hat 209 Mitglieder. Darunter England, das Teil des Staatsgebildes Großbritannien ist. Oder die Färöer, welche zur dänischen Krone gehören. Staatsteile mit autonomen Gebieten in die Zählung mit einzubeziehen, könnte eine Doktorarbeit füllen.

Was ist ein Staat überhaupt? Häufig wird die „Drei-Elemente-Lehre“ herangezogen, nach der ein Staatsgebiet, ein Staatsvolk und eine Staatsgewalt vorhanden sein müssen, um von einem Staat sprechen zu können. Witzig gemeinte Staatsgründungen werden freilich in keinem richtigen Atlas erwähnt und zähen politisch nicht mit.

 

Gibt es auch um die Antarktis Streit?

 

Die Antarktis ist das einzige Stück Land, das kein Staat ist und im engeren Sinne auch zu keinem Staat gehört. 1959 unterzeichneten zwölf Staaten in Washington den „Antarktisvertrag“ zur friedlichen und insbesondere wissenschaftlichen Nutzung der Antarktis, dem mittlerweile viele Staaten beigetreten sind. Einigen werden darin zwar Gebietsansprüche zugesprochen, einem staatlichen Territorium kommt dieser Status aber nicht gleich.

 

 

Wie viele Länder erkennt Deutschland an?

 

Ein letzter Versuch, die Frage zu beantworten: Mit wie vielen Staaten pflegt die Bundesrepublik Deutschland diplomatische Beziehungen? Die Antwort findet sich auf der Website des Auswärtigen Amtes und ist gleichzeitig ein passendes Schlusswort:

„Deutschland unterhält zurzeit diplomatische Beziehungen zu 194 Staaten. Ob Sie einige wenige Länder, die Deutschland völkerrechtlich nicht anerkennt und zu denen Deutschland daher keine diplomatischen Beziehungen unterhält, ebenfalls mitzählen möchten, bleibt Ihnen überlassen.“

 

Ein sehr gut gemachter Artikel aus der Bild Zeitung, der zeigt wie komplex die Situation ist, eine genaue Länderbestimmung machen zu wollen. Hier und da gibts Wiederstände, oder Inseln, die garnicht aufgeführt sind oder UNO Beobachtungsstaaten etc. aber zumindest bekommt man eine grobe Vorstellung wieviele es ca. sind. 

 

Der Artikel ist auch auf www.bild.de nachlesbar! 

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